3GSM: Mobilkom Austrias HSDPA-Rollout trägt Früchte

Binnen Jahresfrist haben sich die Datenumsätze des österreichischen Marktführers verdoppelt. Eine Herausforderung beim Upgrade des UMTS-Netzes stellen die breitbandigen Anbindungen der Mobilfunk-Sender an den Backbone dar.

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Der österreichische Mobilfunk-Marktführer Mobilkom Austria freut sich über starke Zuwächse im Datengeschäft. Noch in diesem Jahr sollen zwei Drittel der Österreicher an ihrem Wohnsitz den UMTS-Beschleuniger HSDPA mit 3,6 MBit/s Download nutzen können. Dies gibt auch dem Netz-Lieferanten Ericsson Anlass zur Freude. Die Mobilkom hat bis inklusive Januar 58.000 UMTS-Datenkarten in Umlauf gebracht. Das sind 10 Prozent aller Vodafone-Karten. Vodafone ist zwar nicht an der Mobilkom beteiligt, doch besteht eine enge Partnerschaft.

Pro Tag würden durchschnittlich weitere 300 Datenkarten verkauft, berichtete die Mobilkom in Barcelona, was etwa ein Drittel aller Neukunden ausmache. Seit dem Start des HSDPA-Netzes im Zentrum Wiens wurden 2000 HSDPA-fähige Karten verkauft, 1000 weitere bereits vorher ausgegebene Modems wurden per Firmware-Aktualisierung auf HSDPA upgegradet. Im zweiten Quartal sollen externe HSDPA-Modems mit USB-Anschluss sowie Karten für den Express-Slot kommen; beide Geräteklassen sind vor allem für Computer ohne PCMCIA-Slot vorgesehen. Zusätzlich werden für diesen Zeitrahmen erste Laptops mit integrierten HSDPA-Modems erwartet. Im Weihnachtsgeschäft sollen schließlich HSDPA-Handys eine Rolle spielen.

Das HSDPA-Netz der Mobilkom, das derzeit hauptsächlich im Zentrum Wiens zur Verfügung steht, sei bereits in der Lage, 3,6 MBit/s zu übertragen. Die dafür notwendigen Datenkarten sollen ab Juli verfügbar sein, bis dahin muss man mit 1,8 MBit/s vorlieb nehmen. Zum Ende des zweiten Quartals sollen alle Landeshauptstädte versorgt werden. Noch im Laufe des Jahres ist das gesamte UMTS-Netz, welches etwa 65 Prozent aller Österreicher erreicht, für die Aufrüstung vorgesehen. Die wahre Herausforderung, so Mobilkom-CEO Boris Nemsic, sei jedoch, die entsprechend breitbandigen Anbindungen der Mobilfunk-Zellen an den Backbone zu realisieren. Außerhalb der UMTS-Abdeckung bietet die Mobilkom als einziger österreichischer Mobilfunker EDGE.

Wichtiger als diese Werte ist dem Anbieter natürlich der finanzielle Erfolg der Investitionen. Die Datenumsätze (ohne SMS) lagen im vierten Quartal 2005 um 108 Prozent über dem Wert des gleichen Quartals 2004, freute sich Nemsic. Damit hat sich der Umsatz bereits das vierte Jahr in Folge verdoppelt. Im dritten Quartal stammten 17,5 Prozent aller Airtime Revenues (Umsätze mit Übertragungsleistungen) aus Datendiensten (inklusive SMS und MMS).

Angesprochen auf die aktuelle Situation in Serbien, wo die Mobilkom die Mobtel übernehmen wollte, sagte Mobilkom-CEO Boris Nemsic, dass in den mit der serbischen Regierung eingerichteten Arbeitsgruppen nach wie vor verhandelt würde. Konkrete Ergebnisse gibt es demnach noch nicht. In Bosnien und Herzegowina, wo sich die Österreicher ebenfalls engagieren möchten, würden die Behörden derzeit mit Hilfe einer österreichischen Investmentbank die Ausschreibung einer Mobilfunklizenz vorbereiten. Dieser Prozess soll in drei Monaten abgeschlossen sein. Im Idealfall wäre die Versteigerung zwei Monate später bereits vollendet.

In einigen Wochen möchte T-Mobile Austria HSDPA starten und die schnellen Verbindungen ebenfalls noch vor Jahresende im gesamten österreichischen 3G-Netz ermöglichen. One ist unterdessen von der Wirtschaftlichkeit solcher Kraftakte nicht überzeugt und strebt einen "nachfrageorientierten Ausbau" an. Netzbetreiber 3 testet HSDPA, schweigt aber über konkrete Vorhaben. Die Datenpläne von tele.ring sind seit Abschluss des Vertrages über den Verkauf der Firma an T-Mobile in der Schublade verschwunden.

Zum 3GSM World Congress 2006 siehe auch:

(Daniel AJ Sokolov) (ssu)