3GSM: Surfen mit dem HSDPA-Handy

In Barcelona zeigen mehrere Hersteller HSDPA-fähige Handys, die in Verbindung mit dem Notebook in Testnetzen Daten mit 1 MBit/s und mehr empfangen.

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Hörte man das Akronym HSDPA vergangenes Jahr auf dem 3GSM World Congress – damals noch in Cannes – vor allem in den Vorträgen und auf den Ständen der Netzausrüster, sind es in Barcelona die Hersteller von Endgeräten, die den UMTS-Datenturbo anpreisen. HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) soll die maximale Datenrate in Empfangsrichtung des UMTS-Mobilgeräts von derzeit 384 kBit/s auf zunächst 1,8 MBit/s erhöhen, später sind Raten von 3,6 und 7,2 MBit/s geplant. Das theoretische Maximum liegt bei 14,4 MBit/s. Als erste Netzbetreiber in Deutschland wollen T-Mobile und Vodafone den neuen Datendienst zur CeBIT 2006 offiziell starten. Im Netz von Mobilkom Austria können Kunden bereits seit Ende Januar mit bis zu 3,6 MBit/s surfen, solange sie sich in Wien und Umgebung aufhalten.

Als erste Endgeräte gibt es, wie schon beim UMTS-Launch 2004, zunächst nur PC-Cards für Notebooks. Die Geräte werden bereits seit Herbst 2005 in den Shops der Provider angeboten. Die HSDPA-fähigen UMTS-Karten lassen sich einfach einrichten und benutzen, doch benötigt man dazu eine weitere SIM-Karte zusätzlich zu der im Handy. Das soll sich in wenigen Monaten ändern: In Barcelona zeigten Hersteller wie BenQ-Siemens, LG und Samsung erste Mobiltelefone, die noch im Sommer 2006 auf den Markt kommen sollen. Während BenQ-Siemens und Samsung ihre neuen Geräte als Meilensteine feierten – in Barcelona fuhr kaum ein Bus, an dem nicht das SGH-Z560 von Samsung prangte –, stellte LG Electronics ein noch namenloses Handy aus. Äußerlich gleichen die Klappmodelle üblichen UMTS-Handys. Erst in Verbindung mit einem Notebook zeigen sie ihre Fähigkeiten, wovon wir uns bei einer Vorführung des BenQ-Siemens EF91 auf dem Stand von Siemens überzeugen konnten.

Da die spanischen UMTS-Netze vor Ort den schnellen Datendienst noch nicht anbieten, hatte der deutsche Netzausrüster ein eigenes Testnetz auf seinem Messestand aufgebaut. Um die hohe Empfangsrate beim Surfen mit dem HSDPA-Handy ausnutzen zu können, musste es per USB-Kabel mit dem Notebook verbunden werden. Zwar beherrscht das EF91 auch Bluetooth, doch nur in der Version 1.2, womit das Handy maximal 723 kBit/s an das Notebook übermitteln kann – nicht genug für HSDPA. Erst Bluetooth-2.0-Handys mit EDR-Erweiterung (Enhanced Data Rate) sollen mehr als 2 MBit/s befördern, was zumindest für die erste Ausbaustufe von HSDPA ausreicht.

Bei der Vorführung brauchte ein Musik-Download via HSDPA weniger als ein Fünftel der Zeit als übers normale UMTS-Netz; ein Videostream mit hoher Qualität ruckelte hin und wieder, was wohl auch der regen Testtätigkeit auf dem Siemens-Stand anzulasten war. Für Online-Spieler und Internet-Telefonierer interessanter ist die im Vergleich zu anderen Mobilfunk-Datendiensten kurze Latenzzeit von HSDPA: Eine PING-Anfrage ergab Antwortzeiten von 60 bis 70 Millisekunden. Im UMTS-Netz sind je nach Empfangslage und Endgerät 170 bis 200 ms, via GPRS sogar 500 ms und mehr üblich. Dabei zeigten die Aussteller noch Geräte mit Vorserien-Status. Wie gut sich die Handys in der Praxis schlagen, werden wir wohl erst im Sommer erfahren. Bis dahin stehen sicherlich noch einige Firmware-Versionen an.

Zum 3GSM World Congress 2006 siehe auch: