SCO vs. Linux: SCO klagt Novell der Verleumdung an

Eine neue Wendung im Streit um den angeblich geklauten Unix-Code im Linux-Kernel: Nun verklagt SCO die Firma Novell, da diese unrechtmäßig Rechte an Unix beanspruche, die SCO gehörten.

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Von
  • Detlef Borchers

Mit einer Presseerklärung gab die SCO Group, die mit IBM und der Linux-Community im Streit wegen angeblich aus Unix System V unrechtmäßig kopierten Code im Linux-Kernel liegt, ihren nächsten Prozess bekannt: Die Klage, die vor einem Bundesgericht in Salt Lake City verhandelt werden soll, richtet sich gegen die Firma Novell und ihre Behauptung, die Eigentümerin der Rechte an Unix zu sein. Novell hatte diese Ansicht vor kurzem bekräftigt und die entsprechenden Dokumente aus den Verhandlungen mit SCO veröffentlicht. Nach Darstellung von SCO fehlt ein Dokument -- und nach Ansicht von SCO damit das zentrale Dokument, betitelt Amendment No.2, das eindeutig belege, dass Novell keine Rechte mehr an Unix habe. Novell wiederum hat wiederholt erklärt, dass sich Amendment No.2 nicht in den archivierten Unterlagen befinde.

Dieses Dokument, das in der von SCO veröffentlichten Fassung nur die Unterschrift des damaligen Novell-Finanzchefs James Tolonen trägt, ist nun die Grundlage der Klage gegen Novell. Dies bekräftigt der SCO-Rechtsanwalt Mark Heise von der Kanzlei Boies, Schiller und Flexner in der Mitteilung der Firma. Die Verleumdungsklage ergehe, weil die Novell den Zusatzvertrag hartnäckig ignoriere.

Laut SCO wird Novell angeklagt, unberechtigt ein Copyright auf Unix-Technologien beantragt zu haben, auf die SCO ein Copyright habe. Außerdem habe Novell falsche und irreführende Aussagen zum Eigentum an Unix gemacht, die SCO daran hinderten, seine Copyrights zu verteidigen. Damit sei für SCO ein irreparabler Schaden an den Copyrights, an den Geschäftsbeziehungen zu anderen Partnern und an der Reputation entstanden. Gewinnt die SCO Group den Prozess, so behält sie sich Schadensersatz in ungenannter Höhe vor.

Die Klage der SCO Group war allgemein erwartet worden, nachdem Novell sich als rechtmäßige Eigentümerin der Unix-Entwicklung darstellte. Ohne Klärung der Frage, wem Unix gehört, sind die Lizenz-Aktionen der SCO Group gegenüber anderen Firmen gegenstandslos. Möglicherweise hat die Klage auch aufschiebende Wirkung auf den Prozess gegen IBM, in dem SCO es vor kurzem nicht geschafft hatte, ausreichende Beweise für die Behauptung vorzulegen, dass IBM durch die Weitergabe von Unix-Code Verträge gebrochen hatte. Dass die renommierte Anwaltskanzlei Boies & Co aus Florida in der Mitteilung von SCO auftritt, ist ein Hinweis darauf, dass die Investoren die Klage billigen.

Zu den Entwicklungen im Streit zwischen SCO, IBM und der Open-Source-Gemeinde siehe auch:

(Detlef Borchers) / (jk)