Motorrad-Neuzulassungen 2025, Teil zwei: Durststrecke nach der Sonderkonjunktur

2025 war den Neuzulassungen zufolge kein gutes Jahr für den Motorrad-Markt. Welche der erfolgreichsten Motorradmarken erreichten die Plätze sechs bis zehn?

vorlesen Druckansicht 24 Kommentare lesen
KTM 990 RC R

KTM bringt mit der 990 RC R ein kräftiges Sportbike mit Vollverkleidung. Ob es angesichts seines hohen Preises mithalten kann, muss sich noch weisen.

(Bild: KTM)

Lesezeit: 12 Min.
Von
  • Ingo Gach
Inhaltsverzeichnis

Zum 1. Januar 2025 trat die Emissionsnorm Euro5+ für Motorradneuzulassungen in Kraft, die Händler mussten ihre noch vorhandenen Euro5-Modelle stark verbilligt oder als Tageszulassungen anbieten. Im November und Dezember belebte sich der Markt durch diese Abverkaufsmaßnahmen ganz außergewöhnlich, eine Sonderkonjunktur, die den Herstellern ein verkaufsstarkes 2024 bescherte. 2025 hingegen ist es den Verkäufen nach für die Motorradindustrie in Deutschland weniger rasant gelaufen. Gab es im Vorjahreszeitraum noch 134.516 Neuzulassungen, so waren es 2025 nur 95.190 – ein Minus von 29,2 Prozent. Bei den Leichtkrafträdern bis 125 cm3 Hubraum lief ein Minus 35,8 Prozent auf. Von 32.784 Neuzulassungen im November 2024 ging es abwärts auf 21.035 im selben Zeitraum 2025. Die Händler konnten den wegen der Rabatte trotz guter Umsätze mageren Gewinn von 2025 nicht kompensieren.

Spannende Motorräder

Keine Alternative bot den Händlern die Elektromobilität, die auch 2025 überhaupt nicht in Tritt kommt. Die Biker bleiben Elektromotorrädern gegenüber mehrheitlich skeptisch, nur 2311 Neuzulassungen gab es bis November. Die vielzitierte „Urban Mobility“ auf Elektrorollern setzt sich in Deutschland ebenfalls nicht durch, ganze 3723 Neuzulassungen sind geradezu lächerlich im Vergleich zu den Millionen Elektrofahrrädern, die hierzulande bewegt werden.

Ducati holte sich dieses Jahr erneut den Titel in der MotoGP und den Konstrukteurstitel in der Superbike-WM, doch das beeinflusste das Kaufverhalten der deutschen Motorradfahrer offensichtlich kaum. Die italienische Traditionsmarke, die 2026 ihren 100sten Geburtstag begehen kann, fiel bei den Neuzulassungen um 17 Prozent, es ging von 6102 Stück im November 2024 auf 5066 dieses Jahr runter, und das nach der Stagnation im Vorjahr.

Ducati Multistrada V4: Zwischen 21.000 und 31.200 Euro teuer, bleibt die Vierzylinder-Reiseenduro weiterhin begehrt.

(Bild: Ducati)

Bestseller im Programm blieb die Multistrada V4, was umso erstaunlicher ist, als selbst die günstigste Variante erst bei 20.890 Euro startete und die teuerste gar erst bei 31.990 Euro. Dennoch brachte die Multistrada V4 es auf 802 Neuzulassungen. Die Kombination aus viel Power und Reisekomfort scheint immer noch zu ziehen, zumal sie 2025 modellgepflegt wurde. Auch die neue Panigale V2 schlug sich wacker mit 717 Erstanmeldungen. Das lag zum einen am neuen V2-Motor, der zwar 35 PS weniger leistet, aber weniger wiegt und besser fahrbar ist, zum anderen am deutlich günstigeren Preis von 16.390 Euro, statt 20.690 Euro für die Schöne aus Bologna.

Die einzige weitere Ducati, die es unter die Top 50 in Deutschland schaffte, war ausgerechnet ein 11 Jahre altes Modell. Die Scrambler kann trotz, oder gerade wegen ihres uralten luftgekühlten V2, immer noch mit ihrem Retro-Charme überzeugen. Immerhin 595 Mal erhielt sie bis Ende November 2025 in Deutschland ein Kennzeichen. Bedenklich ist, dass das einstige Volumenmodell Monster kaum noch Käufer findet. Obwohl die aktuelle Monster ein gutes Motorrad ist, nehmen viele Fans Ducati übel, dass die Monster 2024 sowohl ihren Gitterrohrrahmen als auch die desmodromische Ventilsteuerung verloren hat. Ein allzu radikaler Bruch offenbar. Zudem war sie 2025 mit 12.690 Euro auch noch recht teuer.

Die amerikanische Kultmarke Harley-Davidson erwischte es 2025 besonders hart, ihre Erstanmeldungen stürzten von 6846 auf 3586 in Deutschland ab, was einem Minus von 47,6 Prozent entspricht. Jetzt rächt sich die sture Modellpolitik von Harley-Davidson, wirklich neue Modelle gab es 2025 nicht, lediglich kleine Retuschen oder etwas bessere Ausstattungen.

In unserem Test schlug sich die Reiseenduro Pan America 1250 wacker. Trotz ihrer unbestreitbaren Qualitäten findet sie hier aber kaum Kunden.

(Bild: Ingo Gach)

Da half es auch nicht, dass die von der EU angedachten drastischen Zollerhöhungen auf amerikanische Motorräder als Gegenreaktion auf die von der Trump-Regierung auferlegten Zollerhöhungen für europäischen Stahl ausblieben. Im Programm von Harley-Davidson fehlt es schlicht an Modellen, die in Europa einen großen Käuferkreis abholen könnten. Es gibt natürlich immer noch Liebhaber der riesigen, luftgekühlten V2-Cruiser und -Chopper, aber die Easy-Rider-Generation stirbt langsam aus.

Dabei hat Harley-Davidson mit dem flüssigkeitsgekühlten Revolution-Max-1250-V2 einen wirklich guten Motor im Portfolio, nur trifft die darum herum entwickelte Peripherie in Europa nicht den Nerv: Die teure Reiseenduro Pan America 1250 findet ebenso wenig Käufer wie die auch nicht gerade günstige Sportster S.

Mit seinen Elektromotorrädern hat sich Harley-Davidson in ein Desaster verrannt, allein die Entwicklung der LiveWire One hatte irrsinnige Summen verschlungen und verkaufte sich am Ende überhaupt nicht. Das verzweifelte Outsourcen der Elektromotorräder in das LiveWire-Label war auch nicht die Rettung, die kleinen, teuren S2-Modelle kamen in Deutschland dieses Jahr auf nur 64 Neuzulassungen.

Im September wurden die Preise der LiveWire-Modelle um bis zu 9200 Euro reduziert, was zeigt, mit welchen absurden Gewinnspannen der Hersteller bislang gerechnet hatte.

Zum Leidwesen von Suzuki ist das Strohfeuer von 2024 – ein Plus von 27,8 Prozent – 2025 bereits wieder erloschen, mit einem satten Minus von 43,6 Prozent. Es ging von 5475 auf 3086 Neuzulassungen bis Ende November abwärts, im Dezember sind höchstens noch kosmetische Korrekturen möglich. Dabei geht es Suzuki global gesehen blendend, allein 2024 hat die Marke rund 2,1 Millionen Motorräder weltweit verkauft, im ersten Halbjahr 2025 waren es bereits 1,1 Millionen, die allermeisten davon in Asien.

Die Suzuki GSX-8TT ist als aufgebrezelte Version der Suzuki GSX-8T erst Mitte 2025 herausgekommen.

(Bild: Suzuki)

In Deutschland will es hingegen nicht laufen. Noch in den 90er-Jahren war Suzuki hierzulande Marktführer, galt als innovativ und hat mit günstigen, gefälligen Modellen wie der Bandit-Baureihe gewaltige Stückzahlen abgesetzt. Davon ist heute kaum noch etwas zu sehen, Suzuki brachte 2025 die Nachfolgerin der bis heute beliebten Einzylinder-Enduro DR-Z 400, vorgestellt zur Jahrtausendwende, auf den deutschen Markt, doch die neue Enduro DR-Z4S und die Supermoto DR-Z4SM waren mit 9699 Euro erschreckend teuer. Der 2023 im Modell GSX-8S eingeführte neue 776-cm3-Reihenzweizylinder mit 83 PS galt als gelungen, es ist durchzugsstark bei hoher Laufkultur.

Doch fielen die zunächst guten Verkaufszahlen der GSX-8S rasch ab, sie kam bis Ende November 2025 auf 714 Neuzulassungen nach 1355 Stück im gesamten Jahr 2024. Ein Grund war ihr Preis von 9400 Euro, für nur 300 Euro mehr bekam man eine Honda CB 1000 Hornet mit 152 PS und für rund 500 Euro mehr eine Kawasaki Z 900 mit 124 PS. Zwar werden vollverkleidete Sportler immer beliebter, doch Suzukis GSX-8R brachte es auf nur 595 Neuzulassungen.

Auch hier stand wohl der Preis von 10.000 Euro im Weg, was exakt dem Preis von Hondas Bestseller CBR 650 R mit 95 PS starkem Reihenvierzylinder entsprach, der auf 2058 Neuzulassungen kam. Ansonsten beschränkt sich Suzuki seit Jahren auf Neuauflagen, vor drei Jahren kam das Speedbike Suzuki Hayabusa zurück, das zwar immer noch sehr schnell ist, aber längst nicht mehr dem Zeitgeist entspricht. Die 2019 präsentierte neue Katana – ein Kultbike aus den 1980er Jahren – entpuppte sich als optisch aufgebrezelte GSX-S 1000. Sicher ein gutes Motorrad, aber für 14.400 Euro fand sie nur wenige Käufer. Nächstes Jahr will Suzuki sein legendäre Superbike GSX-R 1000 wieder bei uns anbieten – mit weniger Leistung als die letzte Version 2021 und erst ab Sommer erhältlich, wenn die meisten schon längst ihr neues Motorrad gekauft haben.

Von allen Marken hat es KTM 2025 am heftigsten getroffen, mit einem Minus von 79,3 Prozent. Der Grund liegt in der Insolvenz, in die sich der österreichische Hersteller im November 2024 in Eigenregie begeben musste. Eine irrwitzige Überproduktion – rund 260.000 KTMs standen weltweit auf Halde – und ein schlechter Ruf wegen Qualitätsproblemen hatte zu der Situation geführt, dazu kam die völlig defizitäre Fahrradsparte Felt Bicycles. Nach bangen Verhandlungsmonaten wurde KTM von dem indischen Motorradhersteller Bajaj, der seit Langem ein Joint Venture mit den Österreichern hatte und deren kleinen Modellen in Indien fertigte, durch eine Finanzspritze von rund 600 Millionen Euro vor der Insolvenz gerettet. Doch dafür musste der langjährige KTM-Boss und Miteigentümer Stefan Pierer gehen. Bajaj übernahm den Konzern mit seinen Marken Husqvarna und Gasgas.

KTM 990 RC R

(Bild: KTM)

Ende 2024 haben die KTM-Händler ihre Modelle mit drastischen Preisreduzierungen und Tageszulassungen in den Markt drücken müssen. So kam es zu der absurden Situation, dass 2024 in Deutschland 12.284 Motorräder einer insolventen Marke neu zugelassen wurden, denn die Kunden waren auf Schnäppchenjagd. Dass es 2025 nicht gut laufen konnte, war klar, zumal die Produktionsbänder in Mattighofen monatelang stillstanden und die neuen Modelle erst mit großer Verspätung auf den Markt kamen, teilweise erst, als die Saison vorbei war. Bis Ende November 2025 sind nur 2537 KTM in Deutschland neu zugelassen worden. So verwundert nicht, dass keine einzige KTM unter den Top 50 auftaucht.

Für viele KTM-Händler ist die Situation existenzbedrohend, und manche haben sich anderen Marken zugewandt. Einige haben den chinesischen Hersteller CFMoto dazugenommen, mit dem KTM seit 2017 eine Kooperation hatte, um in China die 790er-Modelle zu produzieren. Leider bleiben die Zukunftsaussichten bei KTM vage. Auch wenn der neue CEO Gottfried Neumeister sich alle Mühe gibt, Bedenken bezüglich der Produktion in Mattighofen zu zerstreuen, will der neue Besitzer Bajaj die Kosten deutlich senken und wohl weiter Mitarbeiter bei KTM abbauen. Die Bemerkung von Bajaj-CEO Rajiv[ Bajaj in einem Fernsehinterview: „Die europäische Fertigung ist tot“, hat auch nicht gerade zur Vertrauensbildung beigetragen. Die Produktion im indischen Pune ist natürlich erheblich günstiger, wie KTM mit den bei Bajaj seit 2011 gefertigten kleinen Einzylinder-Modellen selbst bewiesen hat.

Videos by heise

Die italienische Motorradschmiede Aprilia kämpft kurioserweise immer noch mit einem Image-Problem, dabei hat die Marke bis heute 54 WM-Titel gewonnen. Einige populäre Rennfahrer wie Valentino Rossi, Jorge Lorenzo und Max Biaggi holten WM-Titel auf Aprilias. Während der italienische Hersteller Ducati einen Ruf wie Donnerhall genießt, bleiben die Kunden bei Aprilia zurückhaltend. Bis Ende November sind 2498 neue Aprilias in Deutschland zugelassen worden, ein Minus von 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wo es noch 2887 Stück waren.

(Bild: Ingo Gach / heise Medien)

Dabei kann die Marke auf bemerkenswerte Modelle verweisen, wie das Superbike RSV4, das mit seinem 220 PS starken V4-Motor und komplettem Assistenzpaket zu den schnellsten auf der Rennstrecke gehört. Auch die Enduro Tuareg braucht sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken, im Gegenteil: Sie gehört zu den Klassenbesten. Ihr 659-cm3-Reihenzweizylinder leistet 80 PS und beschleunigt die 207 kg leichte Enduro rasant. Vor allem ihr sehr gut abgestimmtes, voll einstellbares Fahrwerk mit langen Federwegen kann beeindrucken. Auch ihr Preis von 11.999 Euro liegt auf klassenüblichem Niveau und dennoch bleibt sie ein seltener Anblick auf deutschen Straßen.

Wesentlich häufiger sieht man die hübsche RS 660, die 2021 den Boom der Mittelklasse-Sportbikes losgetreten hat. Für 2025 gründlich überarbeitet präsentiert sich die nun 105 PS starke und mit 183 kg leichte Sportlerin fitter denn je. In der Factory-Version spendiert Aprilia der RS 660 sogar ein komplett mit Öhlins-Komponenten bestücktes Fahrwerk, was sie zur ernsthaften Ansage auf dem Rundkurs macht. Mit 11.799 Euro für die Basis-Version ist sie zwar nicht ganz billig, aber das schreckt die Kunden nicht ab, sie wurde bis Ende November 1076 Mal neu zugelassen und macht damit 43 Prozent aller in Deutschland verkauften Aprilias aus.

(fpi)