LKW-Maut: Zur Kasse bitte
Der BDI meint, das von Toll Collect errichtete und am heutigen 1. Januar in Betrieb gegangene satellitengestützte Maut-System könne ein Exportschlager werden.
Mit dem Start des neuen Jahres müssen für Lastwagen ab 12 Tonnen Gesamtgewicht Mautgebühren bezahlt werden. Während das Mautsystem von Toll Collect offenbar ohne Probleme scharf geschaltet wurde, haben verhältnismäßig viele LKW-Fahrer die Mautpflicht nicht Ernst genommen. Das für die Mautkontrolle zuständige Bundesamt für Güterverkehr konnte allein in den ersten Morgenstunden 120 Mautverstöße registrieren, eine hohe Quote für einen Tag, in dem für die meisten Transporte das Wochenendfahrverbot gilt. 75 der sofort zur Kasse gebetenen Fahrer kamen aus dem Ausland. Die Strafen für Mautpreller beginnen moderat mit 75 Euro für die Fahrer und 150 Euro für die Fuhrunternehmer, zuzüglich Mautgebühr. Im Wiederholungsfall können die Strafen bis auf 20.000 Euro klettern. Beim zentralen Maut-Lagezentrum im nordrhein-westfälischen Innenministerium wurden keine Proteste gegen die LKW-Maut gemeldet.
Insgesamt herrschen außerordentlich günstige Bedingungen für den Start des lange Zeit von technischen Schwierigkeiten und immer neuen Verzögerungen geplagten Maut-Systems. Am Neujahrstag sind nur wenige LKW unterwegs; am morgigen Sonntag wird der Lastverkehr zunehmen, wenn die Kühlzüge die Schlachthöfe und Großmärkte ansteuern. Erst mit Ende des Fahrverbotes am 2. Januar um 22:00 Uhr wird das System von Toll Collect stärker beansprucht. An der deutsch-niederländischen Grenze berichteten die Zollbeamten von einem problemlosen Betrieb, aber auch von einem seit Monaten anhaltenden Trend, dass zumindest die Blumentransporteure auf Gespanne unter 12 Tonnen ausweichen.
Zum Start der Maut veröffentlichte der Bundesverband der deutschen Industrie eine Mitteilung seines ebenfalls gerade an den Start gehenden Präsidenten Jürgen Thumann. Er erklärte, dass das von Toll Collect errichtete Maut-System ein Exportschlager werden könnte und mahnte die Reinvestition der Mauteinnahmen in das Autobahnnetz an. Zum Jahresende hatte bereits EU-Verkehrskommissar Barrot die Zweckbindung der Maut angemahnt und an die dreißig Pilotprojekte des Transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-T) erinnert. Mit TEN-T ist das Satelliten-Navigationssystem Galileo verknüpft, das als Basis für eine euopaweite nutzungsabhängige Maut gilt. Das System von Toll Collect nutzt derzeit zur Positionsbestimmung das amerikanische GPS.
Zu den Verwicklungen um die MauteinfĂĽhrung in Deutschland siehe auch:
- Verursacherbedingt verspätet -- Das "fortschrittlichste Mautsystem der Welt" und die Realität, c't 22/2003, S. 92, verfügbar im heise online-Kiosk
- Ausgebremste Automatik -- Das Kreuz mit der satellitengestützten Lkw-Maut, c't 21/2002, S. 60
- Ausführliche Informationen zum aktuellen Stand des Toll-Collect-Systems bringt c't in der Ausgabe 02/05, die ab 10. Januar im Handel erhältlich ist.
- Ein Ticket fĂĽr Stolpe
- Kontrolle von Anfang an
- Der Start ist offiziell beschlossene Sache
- Optimismus fĂĽr den Start und menschliche Hilfe fĂĽr die Fahrer
- Wer kontrolliert Toll Collect, wer die Experten?
- Generalprobe beendet, Countdown läuft weiter
- Schwarzfahren oder mit dem Handy zahlen
- Test erfolgreich, GebĂĽhren zu niedrig
- Nicht alle sind Engel
- Sperrminorität gegen einheitliche EU-Maut erfolgreich
- Toll Collect stottert ab
- Bremsklotz aus BrĂĽssel
- Generalprobe vorzeitig gestartet
- Tanz um den Schadensersatz
- Der Start ist geregelt
- Schwarzer Peter gesucht
- Einbauwille mangelhaft
- Ein Tipp der Spediteure
- MĂĽnchner GrĂĽne wollen City-Maut mit RFID-Technologie
- FĂĽr PKW-Maut nur bedingt geeignet
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- Von Ă–sterreich lernen
(Detlef Borchers) / (jk)