Lange Schmiergeld-Tradition bei Siemens

Das System von Bestechungsgeldern zur Beschaffung von Auslandsaufträgen wurde vermutlich schon in Zeiten des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen.

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Von
  • Tim Gerber

Schmiergeldzahlungen und schwarze Kassen gehören vermutlich schon seit den Anfangsjahren der Bundesrepublik zur Unternehmsstrategie beim Siemens-Konzern. Dies berichtet der Spiegel in seiner am kommenden Montag erscheinenden Ausgabe. Das Magazin beruft sich auf einen Vermerk des ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Hermann Franz. Darin sei ein Gespräch mit dem früheren Vorsitzenden des Siemens-Vorstands Gerd Tacke vermerkt, welcher damals die "unumstößliche Überzeugung" geäußert habe, dass "man das Auslandsgeschäft nur betreiben" könne, wenn man "NA" ("nützliche Aufwendungen") zahle und dafür die notwendigen Instrumente schaffe, sprich schwarze Kassen.

Hinzu komme, dass Siemens-Manager, die im Ausland mit Hilfe von Schmiergeldern erfolgreiche Geschäfte gemacht hätten, dies nach ihrer Rückkehr nach Deutschland "übertragen wollten", was "brandgefährlich" gewesen sei. Franz, jahrelang die graue Eminenz im Konzern, soll dem Vermerk zufolge 1989 seine Vorstandskollegen davor gewarnt haben, das Schmiergeldsystem weiter fortzuführen. "Meine Kollegen haben mich beschimpft und von 30 Prozent weniger Auftragseingang gesprochen und die Firmenpleite an die Wand gemalt." Als die Münchner Staatsanwaltschaft damit begonnen habe, das Schmiergeldsystem bei Siemens aufzudecken, habe Franz als einzigen Ausweg gesehen, "das Unternehmen absolut sauber zu machen". Mit einschneidenden Folgen allerdings: "Wir werden unsere gesamte Vertriebssystematik umstellen müssen."

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(tig)