BenQ Mobile: "Vermögensverschiebungen" vor der Pleite

Der Insolvenzverwalter hat "deutliche Vermögensverschiebungen" und existenzgefährdender Eingriffe festgestellt. Jetzt fordert er eine halbe Milliarde Euro von BenQ.

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Der taiwanische Elektronikkonzern BenQ soll vor der Insolvenz seiner deutschen Mobilfunk-Tochter rund eine halbe Milliarde Euro aus dem Unternehmen abgezogen haben. "Wir haben deutliche Vermögensverschiebungen festgestellt", sagte Insolvenzverwalter Martin Prager laut der Süddeutschen Zeitung vor der Gläubigerversammlung am gestrigen Mittwoch und sprach von "Eigenkapitalentnahme" sowie "existenzgefährdender Eingriffe" in die Kasse von BenQ Mobile. "Wir glauben definitiv, Ansprüche zu haben, die werden jetzt auch gerichtsfest aufbereitet", bestätigte eine Sprecherin Pragers heute gegenüber der dpa.

504 Millionen Euro will Prager von den Taiwanern haben. Freiwillig wird BenQ, selbst nicht in allerbester Verfassung, das Geld nicht herausrücken. Der Insolvenzverwalter wird den Gerichtsweg beschreiten müssen. Das kann dauern, nach Pragers Einschätzung wird sich die Abwicklung von BenQ Mobile über Jahre hinziehen. In dem Vermögensgutachten hat Prager die Forderungen vorsichtshalber mit Null bewertet, weil die Bonität von BenQ fraglich sei. Auch die Münchner Staatsanwaltschaft interessiert sich weiterhin für BenQ Mobile und ermittelt wegen des Verdachts der verspäteten Insolvenzantragstellung und anderer Bankrottdelikte. In Taiwan hat BenQ Ärger mit den Behörden wegen angeblicher Insider-Geschäfte des Finanzchefs.

Doch gibt Prager die Schuld nicht allein BenQ. Auch das deutschen Management des Handyherstellers soll geschlampt haben, die Buchhaltung sei in schlimmem Zustand gewesen. Hinweise auf eine Bereicherung des deutschen Managements habe es allerdings nicht gegeben. Mit der ehemaligen Muttergesellschaft Siemens, die ihre kränkelnde Handysparte mit einer üppigen Mitgift an die BenQ Corporation verkauft hatte, verhandelt der Insolvenzverwalter ebenfalls über offene Forderungen. Rund 100 Millionen sollen es bisher sein, das sei aber nicht das Ende der Fahnenstange. Es seien noch eine Reihe von Fragen offen, die mit Siemens geklärt werden müssten. Vor Gericht wollen beide Seiten damit aber offenbar nicht.

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